30. Juni 2017 Jannik

Herr Lhedop

Peter Podehl mit einem Teil des Spencer-Team, 1985. Peter Podehl (von seinen Puppenspielern liebevoll Herr Podehl genannt) war nicht nur Regisseur und Autor zahlreicher "Hallo Spencer"-Folgen, sondern hat in bestimmten Episoden in Gastrollen sogar selbst mitgewirkt. In Folge 28: „Poldi und der Omnibus“ spricht er die Verkehrsdurchsage:

Auf der Spencer-Bus-Linie kommt Ihnen im Bereich Hausboot/Kreuzweg ein grüner Jungdrache entgegen! Bitte fahren Sie ganz rechts und überholen Sie nicht!

(Peter Podehl in „Poldi und der Omnibus“, 1982)

In „Winter, Winter“1) und „Dornröschen“2) gab er jeweils einen Radiosprecher und in „Der Fremde“3) war er als Chef des Kommissars über dessen Funkgerät zu hören. Zuletzt rief er 1992 in Folge 196: „Lexi muss ran“ rief er als Herr Lhedop (Anagramm von Podehl) in Spencers Studio an.

Weitere Anekdoten um Peter Podehl und sein Spencer-Team

Podehl selbst sagte, er habe in all den 13 Produktionsjahren nie eine der Puppen auf dem Arm gehabt. Im Sommer 1984 besuchten seine Tochter und ihr Mann ihn zum ersten und einzigen Mal bei Dreharbeiten zu „Hallo Spencer“, seine Ehefrau Charlotte dagegen war fast jeden Sommer jeweils für ein paar Tage zu Besuch im Studio Hamburg.

Wir waren inmitten der Dreharbeiten zu der Fernsehserie “Hallo Spencer”, in denen Peter Podehl ein von ihm verfasstes Drehbuch inszenierte. Seine Ehefrau Charlotte verweilte, wie meist in jedem Jahr, ein paar Tage mit am Set. Sie saß inmitten des Studios in einem Regiestuhl direkt neben Peter, als dieser, von ihr nicht bemerkt, aufstand, um hinter den Kulissen etwas zu regeln. Vor ihren Stühlen war ein großer Röhrenmonitor aufgebaut, auf dem die produzierten Takes zur Abnahme vorgeführt wurden. Nach einer kleinen Weile setzte sich Joachim Hall, der den “Spencer” gab, in Peters Stuhl und wartete, wie alle anderen umsitzenden und stehenden Akteure, auf die Vorführung der soeben produzierten Szene. Alle anderen Beteiligten waren hinter Joachim und Charlotte, die noch nicht bemerkt hatte, dass nunmehr Joachim neben ihr saß. Die jetzt startende Einspielung der zuvor gedrehten Szene ergriff Charlotte so sehr, das sie, für alle Umstehenden sichtbar, Joachim Halls linke Hand nahm und diese fest drückte. Joachim wußte nicht, wie ihm geschah, aber er spielte diesen Liebesbeweis amüsiert mit und wartete, wann denn Charlotte bemerken würde, wen sie da ergriffen hatte. Es vergingen die Sekunden und auch Peter stand nunmehr hinter den beiden und beobachtete das Geschehen. Sein amüsierter Blick Richtung Charlotte war voller Sanftmut. Als sie nach gefühlt langem Moment ihren Blick Richtung Peter alias Joachim wandte, erschrak sie mit einem kleinen Aufschrei. Peter lachte, ging zu ihr und nahm sie liebevoll in den Arm.

(Klaus Naeve erinnert sich an Peter und Charlotte Podehl, Oktober 2010)4)

Herr Podehl dirigiert, 1984. Auch Achim Hall selbst erinnerte sich an diese Geschichte. Charlotte Podehls Besuche am Set seien sehr eindrucksvoll für ihn gewesen, da er gespürt habe, mit welcher Begeisterung - für Podehl, seine Arbeit und die Akteure - sie teilnahm, wenn sie das Team besuchte. Hall mochte Podehls liebevolle Gesten und seine lakonischen Kommentare.

Lakonisch auch manche Regieanweisungen im Studio. Beispiel: P.P.: (unsicher, ob das Mikro wieder funktioniert, drum sehr laut): Aaarbeeeeten !!! - Hans, Ü-Wagen (sehr laut, mit Rückkopplung): Das Mikrofon geht wieder !!!! - P.P.: Wer sagt mir sowas – und soo?! - Hans: Ich. - P.P.: (sehr leise ins Mikro) Ach, Hans ! … Arbeeten! - Wilhelm (mit Elvis hinter der Spielleiste): Herr Podeeehel?! - P.P.: Arbeeten, Wilhelm! - Willi: (soll laut Drehbuch zwei Sprossen der Leiter erklimmen) Herr Podeeeehel !!! - P.P.: Mach mal, Wilhelm! - Willi: Herr Podeeehl, kann ich die Leiter ein Stück weiter… - P.P.: Mach mal, Wilhelm. - Willi: Dann könnte ich ein paar Sprossen mehr… Herr Podehl. - P.P.: Mach mal, Wilhelm. - Willi: …Und dann auf der anderen Seite … - P.P.: Mach mal, Wilhelm. - Willi: ….runterfallen, Herr Podeeehl ? - P.P.: Mach mal Wilhelm. - Willi: (macht vor, klettert mit Elvis bis zum Gipfel der Klappleiter, fällt auf der anderen Seite sehr effektvoll mit Aufschrei abwärts. Charlotte neben Peter lacht laut.) - Willi: (stolz) Soo, Herr Podeeeehl!? - P.P. (kleine Pause, sehr lakonisch): Lass mal, Wilhelm. - Willi: Bitteeee??? - P.P.: Lass mal, Wilhelm – (und leise zu Charlotte:) Heißt ja nicht “Die Leiter”, diese Folge…

(Achim Hall erinnert sich an Peter Podehl und Wilhelm Helmrich, Oktober 2010)5)

Martin Leßmann, der Podehl ab 1988 sechs Sommer lang als „humorvollen und zugewandten Regisseur“ erleben durfte, erinnert sich gerne an dessen wortverspielten Humor.

Als Martin und Kasi im Baumhaus gleichermaßen (ob mit oder ohne Bollerwagen) habe ich es genossen, wenn seine ernst-heitere Parole „Arbeeten!“ durchs Runddorf tönte und er uns am Ende der Drehzeit mit kleinen Devotionalien und der rhetorische Frage „Wie haben wir das bloß gemacht?“ beschenkte. Und der Antwort drauf: „Mit lauter Liebe.“

(Martin Leßmann über Peter Podehl, Oktober 2010)6)

Im Spencer-Team wurde er stets liebevoll Herr Podehl genannt. Mehrmals erzählte Podehl seiner Tochter und seinem Stiefsohn Thomas Schmidt, dass er die Puppenspieler duzte, alle aber immer mit Sie konterten. Es störte ihn zwar, aber es ließ sich während der Produktionszeit nicht ändern. Claudia Podehl erinnert sich, dass Schmidt einmal entgegnete: „Das musst du akzeptieren, das ist ihre Art der Achtung und der Liebe zu dir.“. Auch zwischen Armin Maiwald (der für verschiedene Produktionen mit ihm über mehrere Jahre zusammenarbeitete) und ihm kam es zu keinem vertraulichen Du, obwohl sich beide sehr gut verstanden haben.

Ich kann mich über die ganze Zeit aber an niemanden erinnern, mit dem sich Peter Podehl geduzt hätte. Andererseits haben ihn alle ausnahmslos aber auch immer respektvoll mit „Herr Podehl“ angeredet. Nicht mal zwischen Peter René Körner und ihm gab es das. Dabei haben die beiden doch unendlich viele Sendungen gemacht. […] Bei ‚Spencer’ zum Beispiel hat er ja häufig gesagt: „Du, Poldi, mach das doch ein bisschen weiter rechts“, wobei er damit die Figur und nicht die Person des Spielers ansprach. Ich glaube, so haben die das auch verstanden. Auch bei ‚Kasper und René’ war das so. Und ich glaube, das „Herr Podehl“ war sicher eine Art Ehrfurcht im guten Sinne, er strahlte einfach eine Autorität aus, die jeder akzeptierte.

(Armin Maiwald über „Herrn Podehl“, Oktober 2010)7)

Nach den letzten gemeinsamen Dreharbeiten im Studio Hamburg, im Sommer 1993, blieben Podehl und seine Puppenspieler im Kontakt und trafen sich auch regelmäßig. Mit Achim Hall und Lorenz Claussen veranstaltete er u.a. auch ein gemeinsames Spencer-Fantreffen in Aachen. Alle zusammen fanden sich schließlich 2004 als Team wieder, als in einem Studio in Bamberg Ton-Aufnahmen für die "Hallo Spencer"-Show im Heidepark Soltau aufgezeichnet wurden. Obwohl Podehl offiziell nichts mit der Produktion zu tun hatte, kam er dazu, um alle als Gemeinschaft wieder zu treffen.

Der Kontakt zu seinen Puppenspielern hielt sich bis zu seinem Tod im Jahr 2010. Als sie sich nach ihrer gemeinsamen „Hallo Spencer“-Zeit gegenseitig besuchten oder miteinander telefonierten, kam das Du seitens der Puppenspieler problemlos über die Lippen.

Weiterführende Artikel

1) Folge 37, 1983
2) Folge 48, 1984
3) Folge 68, 1985
4) , 5) , 6) Erinnerungen der Puppenspieler an Peter Podehl sammelte seine Tochter Claudia auf peterpodehl.com.