14. April 2022 jannik

Winfried Debertin

Winfried Debertin mit Spencer und Pummelzacken, 1991. Winfried Debertin (geboren am 24. Januar 1953 in Glandorf bei Osnabrück1)) studierte in Münster Kommunikations- und Sozialwissenschaften, sowie Politologie und wurde 1977 Redakteur beim Norddeutschen Rundfunk. Seit 1988 ist er mit seiner eigenen Produktionsfirma Penta TV selbstständig als Produzent und Regisseur tätig und wurde 2006 mit dem ECHO Klassik-Preis in der Kategorie „Klassik für Kinder“ ausgezeichnet.

Biographie

Debertin wuchs u.a. in Hildesheim mit mehreren Geschwistern auf; seine jüngeren Brüder Sebastian und Martin Debertin sind ebenfalls beim Fernsehen in Redaktionen und als Aufnahme- bzw. Produktionsleiter tätig. Nach seinem Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster leitete Debertin zunächst die Projektstudiengruppe Vorschulfernsehen mit dem Themenschwerpunkt „Sesamstraße“. Seit Januar 1977 war er in der NDR-Redaktion tätig, bei der er vorher u.a. als Regie-Assistent von Christoph Busse ein Praktikum absolvierte; die Arbeitsgruppe Sesamstraße blieb weiterhin sein erstes großes Projekt. In den nächsten Jahren verwirklichte er in seiner Position als NDR-Redakteur sein eigenes Konzept der Serie „Hallo Spencer“ - zunächst im Landesfunkhaus Hannover, dann im Studio Hamburg produziert. Erst seit 1988 arbeitet Debertin als freier Produzent, Autor und Regisseur. Er entwickelte für den NDR Serien, Filmkonzepte und Filmcharaktere (u. a. für „Hallo Spencer“, „Spencers Ferientipps“ oder „Achterbahn“). Er ist Songtexter von insgesamt ca. 600 Titeln und war über 20 Jahre Geschäftsführer von der Penta TV GmbH und der Penta Merchandising (vormals „B.G.M.M.“).2)

Hintergrund zur Erfindung von "Hallo Spencer"

Debertin erfand in späten 1970er Jahren die Fernseherie „Hallo Spencer“. Er lag damals gerade mit einer Grippe krank im Bett, als er erfuhr, dass eine „Ersatzserie“ für die amerikanische Kindersendung „Sesamstraße“ notwendig sei. Der amerikanische Einfluss der Sendung sei zu stark, meinten die Rundfunkanstalten im Jahr 1977: Eine eigens produzierte neue Puppenspiel-Serie für das deutsche Kinderfernsehen sollte vom NDR konzipiert werden. Schon im selben Jahr begannen tatsächlich die Dreharbeiten der deutschen Sesamstraße im Studio Hamburg in Hamburg-Tonndorf. Bekannte Puppen wie z.B. Tiffy oder Samson wurden hierzu unter amerikanischer Aufsicht durch Kermit Love vom Sesame Workshop gebaut. Ein Jahr später erfand Debertin „Hallo Spencer“, diese Sendung sollte parallel zur „Sesamstraße“ laufen, welche Spencer dann aber entgegen der Erwartungen doch überlebte.

Bis Ende der 1980er Jahre leitete er zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Angelika Paetow die Redaktion der Sendung und schrieb auch fast sämtliche Songtexte. Er wurde Geschäftsführer der Film-, und Fernseh-Gesellschaft PentaTV, mit welcher er noch viele weitere Produktionen leitete (u. a. "Leonie Löwenherz", "Tricky Toons", "Die Abenteuer von Max und Molly", "Die obercoole Südpoolgang" und zuletzt "Little Amadeus"). Debertins Werke waren oft im Fernsehen zu sehen; Hallo Spencer gilt, auch aufgrund der langjährigen Produktion, als seine erfolgreichste Serie. Viele der Penta-Serien wurden im Auftrag des NDR, SWR, HR, ARD/Ki.Ka und ORF produziert.

Erfolg und Rezeption

Den Höhepunkt des Erfolges seiner Fernsehserie „Hallo Spencer“ erlebte Debertin in den späten 1980er Jahren und Anfang der 1990er Jahre. In dieser Zeit wurden die meisten Merchandising-Artikel hergestellt und die Sendung wurde erstmals international vermarktet, außerdem machte sich Debertin selbstständig und gründete seine eigene Produktionsfirma, mit der er 1992 parallel die Produktion einer zweiten Puppenspielserie begann; „Leonie Löwenherz“. Mitte und Ende der 1990er Jahren nahm der Erfolg dann leider ab: 1999 verlor „Hallo Spencer“ schließlich dann seinen traditionellen NDR-Sendetermin (freitags, 18:00 Uhr) und wurde für fünf Jahre aus dem KiKA-Programm genommen. In den Jahren 2000 und 2001 wurden unter Debertins Regie und mit stark reduziertem Budget 26 neue Folgen bei PentaTV hergestellt und im selben Zeitraum erstausgestrahlt.

Seinen letzten großen Erfolg durfte Debertin 2006 feiern, als nach langjähriger Produktion die Zeichentrickserie „Little Amadeus“ im KiKA veröffentlicht wurde und bemerkenswert hohe Einschaltquoten erreichte. Sehr schnell wurden die Episoden in über zehn weiteren Ländern ausgestrahlt; die zweite Staffel wurde 2007 veröffentlicht. Debertins Werk wurde von den Kritikern anerkennend aufgenommen und bekam das Prädikat „besonders wertvoll“3) sowie einen ECHO-Preis verliehen.

Kontroversen

Für die Erfindung der Serie und der Figuren verdient Debertin nach wie vor viel Anerkennung in der Spencer-Fangemeinde: Auch seine Motivation, die Serie aufleben zu lassen4), ist einer der Gründe seiner Beliebtheit bei den Fans.5) Die letzten 38 Folgen, die in den Jahren 1995-2001 von PentaTV produziert wurden, gehören (neben den Episoden aus den ersten Jahren und sämtlichen Stadtfolgen) zu den Produktionen, auf die er [..] viel Einfluss hatte. In den drei zuletzt entstandenen Staffeln tritt nur eine sehr begrenzte Anzahl an Figuren auf und zudem werden die Handlungen durch Einspielerfilme zu Rahmenhandlungen entwertet. Aus diesen Gründen zählen sie zu den unbeliebtesten Folgen der Fangemeinde; sie wurden 2007 allesamt und ohne weiteres Bonus-Material auf DVD veröffentlicht.6)

(lexiklopedia.de, Oktober 2012)

Im April 2011 berichteten NDR-Mitarbeiter, dass Debertin unter die Folgen 238-275 Material, das bereits bezahlt war, gemischt habe, um die Produktionskosten (PentaTV produzierte derzeit allein.) gering zu halten.7) Bei diesem Material handelt es sich um Ausschnitte aus alten Hallo Spencer-Folgen, bei denen die Rechte beim NDR lägen. Die Rechte an mehreren Episoden, die Debertin an EM.TV verkaufte, - so bestätigte der NDR – würden ebenfalls weder bei ihm, noch bei seiner Firma liegen. Infolgedessen wurde über mehrere Monate geprüft, inwieweit PentaTV mit dem Verkauf an Dritte gegen das Recht verstoßen habe.8)

Die Sache flog im Zuge einer Prüfung durch die NDR-Revision auf, die der Sender bereits im Herbst 2009 veranlasst hatte. Bis dahin war das Altmaterial in den „Hallo Spencer“-Folgen niemandem aufgefallen - auch keinem Mitarbeiter des Ki.Ka, der sie ebenfalls zeigte. Der Redaktionsleiter (Fiktion und Programmakquisition) des Kindersenders ist übrigens Debertins Bruder Sebastian.9)

(abendblatt.de)

Ob die von Angelika Paetow im Jahr 2010 „auf eigenem Wunsch“ hin erfüllte Versetzung in die Fernsehfilm-Abteilung des NDR mit den Problemen Debertins zusammenhängt, ist unklar.10) Das Hamburger Abendblatt berichtete, mit ihrer Versetzung würde sie jeden „Anschein einer Vermischung von privaten und beruflichen Belangen“ vermeiden wollen.

Im Mai 2011 verfasste Debertin eine Gegendarstellung zu einem Artikel über ihn; sie wurde einen Monat später im Hamburger Abendblatt abgedruckt11):

Im Hamburger Abendblatt […] heißt es […] in einem Artikel unter der Überschrift Medienmacher über mich: „Bei der letzten Lieferung kam es 2001 offenbar zu Unregelmäßigkeiten: NDR-Mitarbeiter berichteten, dass Debertin unter die neuen Folgen altes, bereits bezahltes Material gemischt habe. Zudem habe er ,Hallo Spencer'-Folgen an EM.TV verkauft, obwohl die Rechte an ihnen beim NDR lägen.“ Hierzu stelle ich fest: Es kam bei der letzten Lieferung von durch meine Firma Penta TV produzierten „Hallo Spencer“-Folgen 2001 nicht zu Unregelmäßigkeiten. Die Verwendung alten Materials bei der Produktion von neuen Folgen erfolgte im ausdrücklichen Einvernehmen mit den zuständigen NDR-Mitarbeitern. Ich habe keine „Hallo Spencer“-Folgen an EM.TV verkauft, an denen die Rechte beim NDR liegen.

(Winfried Debertin, 11.05.2011)

Im Redaktionsschwanz wurde darauf hingewiesen, dass das Abendblatt bei seiner Darstellung bleibe.

Die verschiedenen Ideen für neue Hallo Spencer-Projekte, die Debertin den Spencer-Fans in den letzten Jahren vorstellte, wurden leider noch immer nicht umgesetzt.12) Allerdings wurden 108 weitere Episoden nach der ersten DVD-Erscheinung auf DVD veröffentlicht. 2010 wurde erstmals im Spencer-Forum vermutet, dass PentaTV insolvent sei. Tatsächlich wurde im Jahr 2009 das Insolvenzverfahren zuerst über deren Zweigfirmen (z.B. Penta Creative Concept GmbH), dann über Debertins Kernfirma eröffnet.13) Debertin ist bei unternehmensregister.de als alleiniger Schuldner und Vertreter aller betroffenen Firmen angegeben; als Informationsquelle wird zudem insolvenz-bekanntmachungen.de genannt. Im Dezember 2015 verkündete Debertin in einem öffentlichen Schreiben, er sei durch „Manipulationen Dritter in die Insolvenz geraten“ und bedaure es, dass sich „trotz Anrufens deutscher Gerichte“ nichts an dem Zustand geändert habe.14)

Außerdem gab er bekannt, er werde rechtlich gegen unautorisiertes Hochladen von Hallo Spencer-Folgen auf YouTube vorgehen.

Pentatainment und SpencerTV

(siehe Hauptartikel)

2015 feierte Debertin ein Comeback mit seiner neuen aus PentaTV hervorgegangen Produktionsfirma pentatainment TV, die sich auf das Medium Internet spezialisiert hat; der über mehrere Jahre nicht mehr aufrufbare Internet-Auftritt seiner Firma ist über pentatainment.de wieder erreichbar, darüber hinaus wurde mit hallospencer.tv zusätzlich eine offizielle Homepage nur für „Hallo Spencer“ geschaffen, welche inzwischen nicht mehr aufrufbar ist. Der neue offizielle Internetauftritt der Serie ist über hallospencer.pentatainment.de zu erreichen, sowie über die ehemalige Domain des Fanblogs runddorf.de von Henning Plückebaum.

Vorbereitungen für den von pentatainment betriebenen YouTube-Kanal SpencerTV begannen bereits im Sommer 2015, als Debertin mit den Puppen aus „Hallo Spencer“ ein Musikvideo zu dem 1997 bereits veröffentlichten Techno-Song „Baden gehen“, der aus Dialog-Fetzen aus der Originalserie zusammengeschnitten wurde, im Freibad Hollenstedt15) drehte. Das erste Video ging am 26. August 2015 online und enthält neben dem neuen Material auch Ausschnitte aus Originalfolgen. Sämtliche verwendete Puppen in diesem, sowie den daraufhin zunächst in unregelmäßigen Abständen veröffentlichten (und teilweise nach kurzer Zeit wieder entfernten) SpencerTV-Videos wurden nicht von Puppenspielern, sondern von Winfried Debertin gespielt.

SpencerTV wurde außerdem zur Veröffentlichung von Demo-Clips anderer PentaTV- und pentatainment-Produktionen verwendet.16)

Im Jahr 2016 wurde eine Facebook- und eine Instagram-Seite zur Erweiterung der neuen Internetpräsenz von „Hallo Spencer“ und pentatainment eingerichtet. Die Seiten werden seit April 2016 aktiv betrieben; neben den geteilten SpencerTV-Inhalten werden zusätzliche Inhalte, Bilder und Videos regelmäßig gepostet.

2018 kündigte Debertin schließlich die Produktion einer Kinoverfilmung von „Hallo Spencer“ für das Jubiläumsjahr 201917) an, welche jedoch nicht umgesetzt wurde. Im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung kündigte er zuvor an, ein Budget von 5 Millionen Euro durch Crowdfunding über die Plattform Kickstarter finanzieren zu wollen.18)

Privatleben

Debertin lebt derzeit in Wohlesbostel bei Hollenstedt in Niedersachsen. Er ist verheiratet und Vater eines 2007 geborenen Sohnes.19)

Weiterführende Artikel

1)
Debertin wuchs u.a. in Hildesheim auf.
2)
Beide Gesellschaften wurden aufgrund Insolvenzeröffnungen aufgelöst, am 28.12.2009 bzw. 16.08.2010. Quellen: northdata.de/?id=6861717; northdata.de/?id=6818034
3)
von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden
4)
Debertin sprach in den Jahren 2007 bis 2011 von mehreren Comeback-Konzepten, von denen jedoch kein einziges bisher verwirklicht wurde.
5)
DVD-Veröffentlichung von 110 Episoden, 2007, 2009 und 2012
6)
Die erste DVD-Box bei amazon.de
8)
Die gerichtlichen Untersuchungen waren im Oktober 2011 noch immer nicht abgeschlossen.
9)
über Sebastian Debertin: mediabiz.de
10)
Paetow war bis 2010 Leiterin der Abteilung Kinder und Familie des NDR.
11)
Debertins vollständige Gegendarstellung: abendblatt.de
12)
Debertin sprach seit 2007 von verschiedenen Comeback-Konzepten, von denen jedoch bis auf den selbstproduzierten YouTube-Kanal Spencer TV kein einziges verwirklicht wurde.
15)
im Landkreis Harburg
16)
Veröffentlichung eines Trailers zu „Little Amadeus“ und Ausschnitten aus computeranimierten Varianten von „Die Abenteuer von Max und Molly“ und „Leo und die Pisabande“ in englischer Sprache, Oktober 2015.
17)
Ausstrahlung der ersten Episode, 1979.
18)
Quelle: tvmovie.de
19)
Quelle: kreiszeitung-wochenblatt.de, 2015.