28. Juni 2017 Jannik

Hallo Spencer

Title Card, 1979-1985. „Hallo Spencer“ ist eine deutsche Puppenspiel-Fernsehserie, die von 1979 bis 2001 für den Norddeutschen Rundfunk und andere Landesrundfunkanstalten der ARD produziert wurde.1) Innerhalb von 22 Jahren wurden 30 verschiedene Staffeln mit insgesamt 275 Folgen im Landfunkhaus Hannover, Studio Hamburg und bei PentaTV in Hollenstedt2) gedreht. Darüber hinaus entstanden mehrere Spin-Offs und Sonderfolgen.

Konzept der Serie

Im Gegensatz etwa zur "Sesamstraße" treten in Hallo Spencer ausschließlich Klappmaulpuppen auf, die in einem fiktiven Dorf zusammenleben. Eine in das Geschehen integrierte „Leitpuppe“ vermittelt dabei zwischen den Zuschauern und den Dorfbewohnern. Diesen Part übernimmt der Moderator Spencer, in dessen Studio stets alle Handlungsstränge zusammenlaufen. In der Regel werden in den halbstündigen Episoden Geschichten aus dem Puppendorf präsentiert, die sich aus „Spannungen des alltäglichen Zusammenlebens“ ergeben – eine Art „Lindenstraße für Kleinkinder“.3) Die ältesten und die jüngsten Folgen passen allerdings nur bedingt in dieses Bild, darauf wird im Folgenden noch eingegangen.

Geschichtliche Einordnung

Anfang der 1970er Jahre starteten in den Sendern der ARD gleich mehrere Sendungen für die drei- bis sechsjährigen Zuschauer. Das Programmschema wurde überarbeitet, sodass nun wöchentlich knapp vier Stunden lang im ersten Programm der ARD Kindersendungen ausgestrahlt wurden. 1971 richtete die ARD im Rahmen der Koordination „Familienprogramm“ eine ARD-Arbeitsgemeinschaft „Vorschulerziehung“ ein. Sie widmete sich einerseits der Überarbeitung der vom NDR bereits eingekauften amerikanischen Sesame Street, die auf bundesdeutsche Lebens- und Fernsehverhältnisse zugeschnitten werden sollte, und befasste sich andererseits mit den Planungen für ein eigenständiges ARD-Vorschulprogramm. Nachdem NDR und WDR bereits 1971 fünf Folgen der Sesame Street in der amerikanischen Originalfassung gesendet hatten, begann im Januar 1973 die Ausstrahlung der „eingedeutschten“ Version der Sesamstraße in den dritten Programmen von WDR, NDR, HR, SFB und RB. Parallel dazu entstanden ab 1971 als ARD-eigene Projekte die Sendungen Lach- und Sachgeschichten (ab 1972 Die Sendung mit der Maus) von WDR, SWF und SR, Maxifant und Minifant (NDR) sowie Das feuerrote Spielmobil (BR und SFB). 1972/73 wurden die ersten Folgen ausgestrahlt. 1974/75 lief die Serie Maxifant und Minifant aus, während Die Sendung mit der Maus und Das feuerrote Spielmobil national und international Anerkennung und Preise gewannen. Dennoch zeigte sich Mitte der siebziger Jahre, dass die Reichweite des Kleinkinderprogramms mit 10 bis 15 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Da über die Konsequenzen keine Einigkeit zu erzielen war, löste sich die „AG Vorschulerziehung“ 1977 auf.

Ende der siebziger Jahre kam also Bewegung in die Kleinkinder-Programmlandschaft der ARD. Die mehrfach preisgekrönte Sendung mit der Maus stand nicht zur Debatte und wurde weitergeführt. Das feuerrote Spielmobil wurde zwar noch bis 1981 ausgestrahlt, seine Produktion aber eingestellt. Es wurde 1982 durch die Serie Meister Eder und sein Pumuckl ersetzt. Nur die Sesamstraße stellte die Programmplaner vor ernste Probleme. Der Kooperationsvertrag von NDR und Children's Television Workshop (CTW) würde Ende 1983 auslaufen und seine Verlängerung mit einem erheblichen Anstieg des Lizenzpreises verbunden sein. Dennoch erklärte sich die ARD-Koordination bereit, die Serie fortzusetzen, falls das zu einem erschwinglichen Preis möglich sei. Mitte 1981 kam tatsächlich eine recht kostengünstige Vereinbarung zustande, die die Fortsetzung der Sesamstraße von 1984 bis 1987 garantierte und auf Basis von Wiederholungsrechten 1988/89 ein langsames Auslaufen der Serie in Aussicht stellte. „Hallo Spencer“ war eigentlich als ihr Nachfolgeprogramm vorgesehen und ging 1979 in Produktion. Am Jahresende wurden die ersten fünf Folgen ausgestrahlt. Parallel zum Vertragsabschluss mit CTW legte man 1981 fest, die Sesamstraße ab Mitte der achtziger Jahre schrittweise durch Hallo Spencer zu ersetzen. Nach 1987/88 sollte „Hallo Spencer“ dann endgültig den Platz der Sesamstraße einnehmen.

Bei der Produktion der ersten fünf Folgen „Hallo Spencer“ sprang Sendung mit der Maus-Produzent Armin Maiwald als Regisseur ein. Diese Folgen hatten einen anderen Charakter als die später produzierten: Die Handlung orientierte sich zwar an einem Oberthema, bildete aber keine stringente Geschichte innerhalb des Puppendorfes. Es wurde zwischen verschiedenen Orten hin und her geschnitten, wobei im Gegensatz zu den späteren Folgen kein Zusammenhang im Sinne eines „Dorfes“ deutlich wurde. Zudem wurden die Puppenszenen, die zum Teil sketch-ähnliche Züge aufwiesen, von Real- und Trickfilm-Sequenzen unterbrochen. Die ersten fünf Folgen, die zwischen Weihnachten und Silvester 1979 ausgestrahlt wurden, wurden vom Publikum nicht wie erhofft angenommen. Für die nächsten Staffeln, die ab 1980 produziert wurden, überarbeitete man deshalb das Konzept: Charaktere wurden ausgetauscht, die „Einspieler“ entfielen und die einzelnen Figuren wurden zu einer „Dorfgemeinschaft“ zusammengefügt. Des Weiteren nahm man allmählich von den Oberthemen (beispielsweise die Zeit in der Folge Zu früh, zu spät) Abstand und ging dazu über, in der halben Stunde Sendezeit den Alltag der Dorfbewohner zu thematisieren. Mit diesem neuen Konzept eroberte sich die Serie in den achtziger Jahren eine feste Zuschauerschaft, schaffte 1987 den Sprung aus den dritten Programmen in die ARD und war 1989/90 auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angekommen.

Zur geplanten Ablösung der Sesamstraße durch „Hallo Spencer“ kam es allerdings nie. Da die Beliebtheit der Sesamstraße entgegen der Erwartungen der ARD-Verantwortlichen über die Jahre kaum abnahm, konnte „Hallo Spencer“ sich nie ganz im „Ersten“ etablieren. Während die Sesamstraße (wenn auch mit stetig verändertem Konzept) noch immer produziert wird, drehte man seit Mitte der neunziger Jahre nur noch unregelmäßig neue Hallo Spencer-Folgen.

Figuren

(siehe Hauptartikel)

(wird erweitert)

Mitwirkende

(siehe Hauptartikel)

(wird erweitert)

Erfolg und Rezeption in Deutschland

(wird erweitert)

Merchandising

(siehe Hauptartikel)

(wird erweitert)

"Hallo Spencer" im Ausland

(wird erweitert)

Zusammenfassung

Spencer und Elvis im Studio, 1986.

(siehe Hauptartikel)

Die Serie „Hallo Spencer“ hat aufgrund ihrer langen Laufzeit im deutschen Fernsehen (seit 1979) eine deutliche Entwicklung hinter sich, an der sich auch der allgemeine Wandel des Kinderfernsehens nachvollziehen lässt. In den ersten Folgen von Ende der siebziger beziehungsweise Anfang der achtziger Jahre ist noch spürbar, dass die Serie ursprünglich als Nachfolger der Sesamstraße konzipiert worden war: die Puppenspiel-Sequenzen waren meist kurze, abgeschlossene Geschichten vor dem Hintergrund einer einzigen Haupthandlung, die zudem noch von Real- und Zeichentrickfilm-Einspielern unterbrochen wurde. In den folgenden Jahren bis zur Mitte der Neunziger entwickelte sie sich stattdessen zu jener „Lindenstraße für Kinder“, deren Konzept mitunter als nicht kindgerecht kritisiert wurde. Nun wurden Probleme innerhalb der Dorfgemeinschaft thematisiert, die Haupthandlung um mehrere Nebenstränge ergänzt.

Die jüngsten Hallo Spencer-Folgen seit Mitte der 1990er Jahre zeigen dagegen (wieder) einen starken „Magazin“-Charakter. Man hat sich vom Puppendorf als einzigem Schauplatz verabschiedet, die Zahl der Figuren drastisch reduziert, ihre Sprache und ihren Charakter simplifiziert und arbeitete nun wieder mit Realfilm- und Zeichentrick-Einspielern.

Für die Erfindung der Serie und der Figuren verdient Winfried Debertin nach wie vor viel Annerkennung in der Spencer-Fangemeinde: Auch seine Motivation, die Serie aufleben zu lassen4), ist einer der Gründe seiner Beliebtheit bei den Fans.5) Gerade die letzten 38 Folgen, die in den Jahren 1995-2001 von PentaTV produziert wurden, gehören (neben den Episoden aus den ersten Jahren und sämtlichen Stadtfolgen) zu den Produktionen, auf die er bemerkenswert viel Einfluss hatte. Sie zählen trotzdem aus den schon genannten Gründen zu den unbeliebtesten Folgen der Fangemeinde; sie wurden 2007 allesamt und ohne weiteres Bonus-Material auf DVD veröffentlicht.6)

Weiterführende Artikel

Weblinks

Fanpages

1) Im Jahr 2004 wurde zudem eine Sonderfolge vom KiKA produziert.
2) im Landkreis Harburg
3) Rebehn/Schmidt, 1998
4) Debertin sprach zwischen 2007 und 2011 von verschiedenen Comeback-Konzepten, von denen jedoch kein einziges verwirklicht wurde.
5) DVD-Veröffentlichung von 110 Episoden, 2007, 2009 und 2012
6) Die erste DVD-Box bei amazon.de